Wissensbereich
Wissenswertes zum Thema Osteopathie
Welche Zielgruppen spricht die Osteopathie an?
Die Osteopathie stärkt in ihrer Vielseitigkeit von Anbeginn des Lebens (im Mutterleib) bis zum Lebensende Körper, Geist und Seele unserer Patienten. Jeder Mensch hat Themen auf körperlicher und psychischer Ebene, deshalb ist die Osteopathie für jeden Menschen sinnvoll und eine äußerst hilfreiche Ergänzung für ein gesundes Leben. Schon in der Schwangerschaft wirken osteopathische Techniken beruhigend und ausgleichend auf Mutter und Kind. Nach der Geburt können mögliche Traumata sowie Blockaden des Säuglings sanft gelöst und die natürliche Entwicklung des Kindes unterstützt werden. Im Kindergarten- und Schulalter ist eine Begleitung ebenso sinnvoll wie in der Pubertät. Gerade jetzt finden bedeutende Entwicklungsprozesse statt, welche durch äußere Faktoren beeinflusst werden können, z.B. Krankheiten, Stürze, Wachstumsschübe, schulischer Leistungsdruck, Fehlhaltungen sowie psychische Traumata. Hier kann die Osteopathie mit ihrem breiten Spektrum helfen. Auch im Erwachsenenalter und beim „Älterwerden“ sind osteopathische Behandlungen eine gute Stütze und können sowohl hormonelle Veränderungen in der Menopause als auch altersbedingte Einschränkungen gezielt sanft ausgleichen. Nicht jeder Patient kann geheilt werden, aber jedem Patienten egal welchen Alters kann eine gute Unterstützung gewährt werden.
Worin genau unterscheiden sich die Physiotherapie (Krankengymnastik) und die Osteopathie?
Beide Therapiemethoden haben den gleichen Anspruch oder Auftrag: Strategien und Konzepte einzusetzen, die Menschen mit einem Beschwerdebild helfen, das eine Indikation für eine osteopathische oder eine physiotherapeutische Behandlung darstellt. Einen Unterschied, wie es oft in den Medien gezeigt wird, einzig darin zu sehen, dass Osteopathen eher mit den Händen und Physiotherapeuten mit aktiven Übungen arbeiten, ist nur ein Teil einer möglichen Antwort auf diese Frage. In der klassischen physiotherapeutischen Behandlung steht, im Gegensatz zur Osteopathie, weniger Zeit für den Patienten zur Verfügung. Eine übliche Behandlungseinheit dauert bestenfalls 25 Minuten, normalerweise nur 20 Minuten. Der Therapeut handelt auf ärztliche Delegation, d.h. der Patient legt dem Physiotherapeuten ein ärztliches Rezept vor, das Diagnose und Behandlungseinheiten anzeigt. Hatte der Patient z.B. einen Unfall (Auto, Sport, Haushalt o.Ä.) oder eine Operation, dann soll ihm der Therapeut mittels physiotherapeutischer Techniken (manuelle Therapie, Lymphdrainage, Bewegungstherapie am Gerät, Wärme-/Kältetherapie o.Ä.) helfen, Beweglichkeit und Muskelkraft wiederherzustellen oder z.B. Schmerzen zu lindern. Ziel ist es, die ursprüngliche Lebensqualität so weit wie möglich wiederherzustellen. In der osteopathischen Behandlung wird so viel Zeit für den Patienten vorgesehen, wie der Therapeut braucht, um eine osteopathische Diagnose aufzustellen (Anamnesegespräch, aktive und passive Untersuchung) und ein osteopathisches Behandlungskonzept anzuwenden. Der erste Termin bei einem Osteopathen kann daher bis zu 90 Minuten dauern. Der Osteopath betrachtet den Menschen ganzheitlich: Er nimmt alle Ergebnisse seiner eigenen sowie anderer Untersuchungen und Befunde in seine Überlegungen zu Diagnose und Behandlungsstrategie mit auf. Seine Kenntnisse beziehen sich nicht nur auf den Bewegungsapparat, sondern auch auf Organe, Faszien, neurologische Strukturen, den Schädel, das Gehirn und die Psyche. Die Strukturen stehen häufig in Beziehung zueinander (Ursachen-Folge- oder Läsionsketten), über die ein Osteopath gut informiert ist. Auch in der Osteopathie gibt es zusätzlich zu den entsprechenden Behandlungstechniken (parietal, faszial, viszeral, craniosacral) Konzepte, um die Beweglichkeit aller Strukturen zu verbessern. Ziel ist es, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, die Gesundheit wiederherzustellen und Lebensenergie zu gewinnen. Merke: Wer die Sprache seines Körpers versteht und danach handelt, wird ein gesundes Leben führen.
Warum ist es für Osteopathen wichtig, so viel über Anatomie zu wissen?
Aus zahlreichen Gründen müssen Osteopathen in Anatomie und Physiologie umfassende medizinische Kenntnisse vorweisen. In der Osteopathie sieht einer der Leitsätze vor, dass die Form der Struktur und ihre Funktion sich wechselseitig bestimmen. Jede körperliche Struktur ist an die zu leistende Beanspruchung angepasst. Verändert sich diese durch Über-/Unterbelastung (z.B. bei sportlichem Mehraufwand oder durch Medikamentengabe), passt sich die Form der Struktur der Veränderung an. Nur anatomische und physiologische Kenntnisse ermöglichen einem Osteopathen, solche Prozesse zu erkennen. Ein Osteopath erstellt, bevor er eine Behandlung beginnt, eine ausführliche Diagnose. Schon zum Zeitpunkt der Konsultation des Patienten ist das anatomische und physiologische Wissen wichtig, denn bereits während der Anamnese entsteht gedanklich eine genaue Vorstellung möglicher Erkrankungen, die in Zweifelsfall ausgeschlossen werden müssen, also Kontraindikationen darstellen oder einen Arztbesuch erfordern. Weiterhin visualisiert ein Osteopath schon während der Anamnese einen Plan für die anschließende Untersuchung. Er überlegt, welche Strukturen am Beschwerdebild beteiligt sein könnten und hat verschiedenste Variationen an Möglichkeiten in seinem Wissensschatz, die zur Erkrankung geführt haben könnten. Diese müssen Schritt für Schritt differenziert betrachtet werden. Wir sprechen von einer „differentialdiagnostischen Untersuchung“. Abschließend erfolgt die osteopathische Behandlung, die gezielt auf die betroffene/n Struktur/en wirkt, indem z.B. die Durchblutung, der Stoffwechsel oder die Mobilität angeregt wird.
Was ist das Besondere an der Osteopathie?
Osteopathie ist keine Anwendungstechnik, sondern eine Heilkunst. Es werden keine Symptome bekämpft, sondern der Körper in seiner Ganzheit gesehen und behandelt. Osteopathen betrachten den Körper, die Seele und den Geist. Alle körperlichen Strukturen wie Muskeln, Gelenke, Faszien, Organe, Nerven, Lymphbahnen und Blutgefäße werden in Einklang gebracht. Gleichsam wird die Psyche des Patienten betrachtet. Alle Facetten und Einflussfaktoren, die sich auf unsere Seele auswirken, werden gesehen und versucht, hinsichtlich der Körperebene zu berücksichtigen. Diese ganzheitliche Sichtweise macht die Osteopathie so besonders und einzigartig.
Was zeichnet einen guten Osteopathen aus?
Osteopathie ist die (Heil-)Kunst, Körper, Geist und Seele in seiner Gesamtheit zu sehen, zu analysieren und zu behandeln. Ungleichgewichte werden identifiziert und der Patient auf allen Ebenen betrachtet. Es werden Fehlstellungen der Gelenke beseitigt, Stauungen in Organen behoben, Verspannungen bzw. Verkürzungen der Muskulatur sowie Verklebungen im Fasziensystem gelöst. Blutgefäße und Nerven werden befreit, sodass alles im Körper fließen kann. Die verschiedenen Gewebe des Körpers werden aufeinander abgestimmt, sodass die Zellen bestmöglich miteinander kommunizieren. Neben der körperlichen Ebene ist das psychische Gleichgewicht ebenso wichtig und entscheidend für den Genesungsprozess des Patienten. Stressoren müssen erkannt und mit dem Patienten Lösungen gefunden werden, um eine langfristige Gesunderhaltung zu erreichen.
Aufgrund dieses umfangreichen Arbeitsfeldes muss ein guter Osteopath eine Vielzahl an Eigenschaften und Qualitätsmerkmalen besitzen:
Umfangreiche Kenntnisse über den Körper und die Körpervorgänge: Osteopathen müssen gute Anatomen und Physiologen sein, da diese beiden Disziplinen die Basis darstellen, um kompetent beurteilen zu können, was im Körper des Patienten vorgeht.
Feinfühligkeit: Osteopathen sollten über besonders feine Sinne verfügen. Diese sind ihre wichtigsten Werkzeuge: Sehen, Fühlen und Wahrnehmen!
Empathie und Kommunikationstalent: Einfühlung und die Fähigkeit, patientenorientiert zu kommunizieren, sind wichtige Eigenschaften. Der Patient muss sich gut aufgehoben fühlen und in die Behandlung integriert werden. Er soll verstehen, was in seinem Körper fehlreguliert ist, und wie dies behoben werden kann. Osteopathie hat das Ziel, den Patienten gesund zu machen und zu erhalten. Osteopathen müssen dem Patienten in einfachen Worten erklären können, was das Problem ist, was er dagegen tun kann und wie sie ihm als Therapeuten dabei helfen können.
Verständnis von Körpersprache und Psyche: Osteopathen sollten gute Kenntnisse von der Psyche des Menschen besitzen. Mit ihrem Einfühlungsvermögen können sie auch zwischen den Zeilen lesen und die Körpersprache des Patienten übersetzen. Sie sollten identifizieren können, welche Stressoren den Patienten belasten, und wie sich diese auf körperlicher Ebene manifestieren.
Authentizität: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Authentizität des Therapeuten. Der Patient sollte die ehrliche Begeisterung des Osteopathen für diesen wunderschönen Beruf spüren.
Warum dauert eine osteopathische Ausbildung so lang?
Ein Osteopath erlernt profundes Wissen, medizinische Untersuchungsergebnisse zu verstehen und in die Befunderhebung zu involvieren. Diese Kenntnisse beziehen sich auf die Bereiche Embryologie, Anatomie, Physiologie, Histologie, Biochemie, Psychologie und bildgebende Untersuchungsverfahren. Wer anfängt, mit Menschen zu arbeiten, sollte zunächst ein Verständnis für seinen eigenen Körper und seine Psyche entwickeln. Anatomische und physiologische Erkenntnisse sollten erlernt und gleichzeitig verstanden werden. Allein das Begreifen, also das Ertasten, Fühlen und Spüren der Strukturen, die einen menschlichen Körper ausmachen, erfordert eine gewisse Zeit. Nach und nach kann von den unterschiedlichen Erfahrungen dieses Begreifens profitiert werden, aufgrund der Tatsache, dass kein Körper dem anderen gleicht. Auch derselbe Körper, der ständig Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, bewältigt ffortwährend Veränderungen und entwickelt Adaptionsprozesse. Der Spür- und Tastsinn eines Osteopathen wird über den Zeitraum der Ausbildung darin geschult, anatomisch Erlerntes am Menschen wahrzunehmen sowie dysfunktionale Veränderungen zu erkennen und zu behandeln. Dabei wird das manuelle Erspüren im Verlauf der Ausbildung immer „feinstofflicher“, es beginnt mit dem Palpieren von Knochen und Muskeln und endet mit der Palpation des craniosacralen Rhythmus.
Zusätzlich wird der Blick des Osteopathen für Haltungsschemata, asymmetrische und/oder adaptierte Haltungen, sichtbare Veränderungen der Haut und deutlich erkennbare Dysfunktionen, trainiert. Sich Zeit zu nehmen, den Tastsinn, das Auge und alle weiteren Sinne medizinisch zu schärfen, die Angaben der Patienten zu verstehen und sinnvoll einzuordnen sowie den menschlichen Körper mit all seinen lebendigen Prozessen zu erfahren, lohnt sich!
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Was gehört zur Osteopathie?
Andrew Taylor Still behandelte mit manuellen Techniken, die seiner Ansicht nach dem Organismus zur optimalen Anpassung verhelfen, sodass sich gesundheitsförderliche Prozesse (Selbstregulationsmechanismen) besser entfalten können. Mithilfe der Aktivierung dieser inneren Kräfte kann bestehenden Symptomen oder Krankheiten begegnet werden. Die moderne Osteopathie wird als eine Erweiterung der Manuellen Medizin im Allgemeinen in drei Bereiche gegliedert:
die parietale Osteopathie, welche sich mit Muskeln, Sehnen, Bändern, Gelenkkapseln und Knochen befasst;
die viszerale Osteopathie, welche auf die inneren Organe sowie das umgebende Gewebe eingeht;
und die craniosacrale Osteopathie, deren Schwerpunkte die Schädelknochen und ihre Verbindungen, das Gehirn und weiterlaufende neurologische Strukturen, die Hirnhäute und das Rückenmark sind.
Darüber hinaus kennt man die fasziale Osteopathie als einen weiteren großen Bereich. Faszien verbinden alle Strukturen des Körpers miteinander. In ihnen sind Organe, Muskeln, Sehnen und Knochen eingebettet. Heute weiß man, dass sie auch neurologische Strukturen beinhalten, weswegen sich, z.B. durch pathologische Prozesse oder Traumata, auch die an das Gehirn weitergeleiteten Informationenverändern können. Ein Osteopath arbeitet selten nur mit einem Teilbereich der Osteopathie. Es ist wichtig, zu betonen, dass anamnestisch, diagnostisch und auch in der Behandlung immer alle Bereiche der Osteopathie involviert sind und berücksichtigt werden. Last but not least verstehen die Osteopathen Körper und Seele als miteinander verwobene Einheit. Daher werden grundsätzlich sowohl äußere wie auch innere Einflussfaktoren, die jeden Menschen bewegen, betrachtet.
Was denkt die Schulmedizin über die Osteopathie?
Die Schulmedizin der westlichen Welt stützt sich auf apparative Diagnostik und medikamentöse Therapie. Der Patient wird untersucht und, je nachdem, welche Symptome erzeigt, an den jeweiligen Facharzt verwiesen oder direkt vom Hausarzt behandelt, meist medikamentös. Der Facharzt untersucht den Patienten seinem Fachgebiet entsprechend und behandelt ihn, wenn sich Auffälligkeiten zeigen, operativ oder medikamentös. Wird nichts gefunden, verweist man den Patienten einfach weiter oder spricht von „psychosomatischen Störungen“. Die Osteopathie hat einen grundlegend anderen Ansatz: Hier steht die Wahrnehmung des Patienten als Ganzes im Fokus. Der Patient wird als Einheit betrachtet. Alle Körperfunktionen und - regionen werden analysiert und die Verbindungen der Strukturen auf Dysfunktionen untersucht. So kann z.B. eine Symptomatik in der rechten Schulter auf eine Dysfunktion in der Leber hindeuten. Die Diagnosemethoden und die daraus resultierenden Behandlungsansätze der Osteopathie unterscheiden sich von denen der konventionellen Medizin daher deutlich. Da die meisten Schulmediziner keine Osteopathie-Ausbildung besitzen, ist das Verständnis für die osteopathische Behandlungsweise oft nicht gegeben. Es kommt häufig zu Vorurteilen und Unverständnis. Die Akzeptanz der Osteopathie in der Ärzteschaft und der Bevölkerung ist über die Jahre deutlich besser geworden. Die positiven Berichte und Erfahrungen von Patienten haben sich auch unter Schulmedizinern herumgesprochen, und immer mehr Hausärzte entscheiden sich dafür, ihren Patienten eine Empfehlung für die Osteopathie zugeben. Dies ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, denn es geht um die Patienten und die bestmögliche medizinische Versorgung, zu der sowohl die konventionelle Medizin wie auch die Osteopathie zählen.
Wann ist eine osteopathische Behandlung sinnvoll?
Die Osteopathie ist eine sehr vielseitige Behandlungsmethode. Sie eignet sich als präventive Maßnahme, um Fehlhaltungen und Verschleiß vorzubeugen, um Veränderungen und Spannungen im Körper zu identifizieren und vorzugreifen, bevor Schmerzen und Beschwerden entstehen. Hauptsächlich wird die Osteopathie bei bestehenden Problemen angewandt. Beschwerden im gesamten Körper, z.B. Kopfschmerz und Migräne, Rückenleiden und Gelenkserscheinungen im Hüft-, Schulter- oder Kniebereich, sind typische Indikationen. Bewegungseinschränkungen, Sensibilitäts- oder Durchblutungsstörungen sowie Lymphproblematiken können mithilfe der mannigfachen Möglichkeiten der Osteopathie gut behandelt werden. Die Osteopathie legt als ganzheitliche Methode ebenso Wert auf die Gesundheit unserer Organe. Verdauungsprobleme bis hin zu Leberfunktions- oder Herzrhythmusstörungen können verbessert werden. Mithilfe der craniosacralen Arbeit ist es möglich, Einfluss auf das Vegetative Nervensystem zu nehmen und hierdurch eine Vielzahl von Beschwerden zu lindern. In diesen Bereich fallen Stressreduktion, verbesserte Hormonausschüttung, Regenerationsförderung sowie die Stärkung des Immunsystems. Osteopathie hilft bei der Regulation von Stoffwechselprozessen und der Regeneration unseres Muskel- und Fasziensystems; sie fördert mentale und körperliche Gesundheit und wirkt positiv auf altersbedingte Veränderungen des Körpers. Außerdem unterstützt sie sanft die Entwicklung von Kindern und Säuglingen (z.B. nach traumatischen Geburten) und fördert die gesunde Reifung von Körper und Psyche im Kindes- und Jugendalter. Die Osteopathie kann aufgrund ihrer Diversität vom Anbeginn des Lebens (im Mutterleib) bis zum Tod ein hilfreicher Begleiter sein, um Körper, Geist und Seele unserer Patienten zu stärken. Jeder Mensch hat Themen auf körperlicher und/oder psychischer Ebene; daher ist die Osteopathie für jeden Menschen sinnvoll und eine hilfreiche Ergänzung für ein gesundes Leben.
Warum ist eine Nachruhe im Anschluss an eine osteopathische Behandlung so wichtig?
Patienten vereinbaren einen Termin beim Osteopathen, wenn sie Beschwerden haben oder möglichen Problemen vorbeugen möchten. Eine osteopathische Behandlung bewirkt eine Veränderung im Körper, welche häufig mit individuellen Reaktionen verbunden ist. Mögliche Effekte können Wach- und Klarheit, Müdigkeit, Gefühle der Befreiung der Muskeln und Gelenke oder auch Muskelkater sein. Die Veränderungen und Anpassungen, die durch die osteopathische Behandlung bewirkt werden, nehmen die Patienten sehr unterschiedlich wahr. Dies hängt von der Schwere und dem Zeitraum des Vorhandenseins der zugrundeliegenden Dysfunktion ab. In der osteopathischen Behandlung wird die Gesundheit gesucht, indem das körpereigene Immunsystem aktiviert wird. Dadurch können sich die Stoffwechselvorgänge im Körper für einen kurzen Zeitraum ändern. Gefäßaktive Substanzen können das Immunsystem und die Tätigkeit zugehöriger Organe verstärken. Bezüglich so einiger Gelenk- oder Rückenbeschwerden wird durch manuelle Techniken häufig die Durchblutung verbessert, die Gelenkkapseln und direkten Gelenkpartner werden mobilisiert, Blockaden sanft gelöst und die beteiligten Muskeln entspannt. Durchblutung und Durchflutung der betroffenen Strukturen können erhöht werden. Im craniosacralen Bereich der Osteopathie werden Techniken genutzt, die z.B. die Spannungen der Hirnhäute und die Durchflutung der Schädelstrukturen positiv beeinflussen. Um dem Körper Kraft und Ruhe für die nach der Behandlung stattfindenden Prozesse zu geben, ist es nicht ratsam, direkt nach einer osteopathischen Anwendung schwere körperliche Arbeiten zu verrichten oder sportlich aktiv zu sein. Ein Osteopath bespricht üblicherweise vor der Behandlung mit seinen Patienten die möglicherweise zu erwartenden Reaktionen. Nicht immer durchführbar, aber erstrebenswert nach einem osteopathischen Termin ist, möglichst bald zur Ruhe zu kommen, viel zu trinken und „alle Fünfe gerade sein zu lassen“. So kann man die selbstregulierenden Mechanismen im Körper unterstützen.
Was hat Osteopathie mit Prävention zu tun?
Die meisten Menschen wissen, dass man auf eine gesunde Lebensweise achten sollte. Dazu gehören regelmäßige ärztliche Untersuchungen sowie das Vermeiden von Risikofaktoren, welche die Entstehung einer Erkrankung fördern, z.B. Rauchen, Alkohol, ungesundes Essen, Übergewicht, Überbelastung durch Sport oder chronischen Stress, Bewegungsmangel, Umweltbelastungen und Schlafentzug. Das Präventionsgesetz für Erwachsene in Deutschland ermöglicht der Bevölkerung diesbezüglich heute viele Hilfsangebote, u.a. regelmäßige Check-up-Untersuchungen. Diese sollen der Früherkennung von Krankheiten dienen und es Ärzten erleichtern, gesundheitliche Belastungen und Risikofaktoren zu detektieren, damit bei Bedarf frühzeitig Präventionskurse empfohlen werden können. Auch Osteopathen raten, so rasch wie möglich in die Praxis zu kommen oder einen Arzt aufzusuchen. (Sie sind ohnehin grundsätzlich verpflichtet, umgehend an den ärztlichen Kollegen zu verweisen, sobald der Verdacht auf eine Erkrankung besteht, die nicht in ihrem Kompetenzbereich liegt.) Tatsächlich haben viele Osteopathen Patienten, die in Eigeninitiative etwa zwei- bis dreimal jährlich zu der Behandlung erscheinen, um etwaigen Beschwerden vorzubeugen oder diese abzumildern. Im Rahmen der differenzialdiagnostischen osteopathischen Untersuchung wird zunächst z.B. nach Veränderungen oder Dysbalancen des Bewegungsapparates und der Körperhaltung, Spannungen im Gewebe und auffälligen Veränderungen der Haut gesucht. Die präventiv orientierte Therapie ist meist sehr erfolgreich und dauert auch nicht unbedingt lange, da der Osteopath die Patienten und ihre Beschwerdebilder in vielen Fällen bereits kennt. Typische Erkrankungen, die präventiv osteopathisch behandelt werden, sind z.B. Kopfschmerzen bzw. Migräne, chronische Rückenschmerzen (ärztlich abgeklärt), Menstruationsbeschwerden sowie diverse Formen von Verdauungsproblematiken.
Welche Körpersysteme sind am häufigsten die Problemverursacher, und warum?
Der menschliche Körper verfügt über eine Vielzahl an Ausgleichsmechanismen zur Sicherung des (kurzfristigen) Überlebens. Beispielsweise wird ein geschädigter Muskel vorübergehend entlastet, bis er sich regeneriert hat, indem andere Muskelgruppen seine Funktion übernehmen. Es gibt jedoch zwei Organsysteme in unserem Körper, die im Gegensatz zu anderen sehr anfällig für Störungen sind, da bestehende Kompensationsmechanismen deren Schlüsselfunktionen nicht ausreichend
übernehmen können: das Nervensystem und das Fasziensystem. Das eine steht als übergeordnete Kontroll- und Steuerinstanz an der Spitze sämtlicher Körpersysteme; das andere vernetzt sämtliche Strukturen im Körper miteinander, und alles ist darin eingebettet. Unsere moderne Lebensweise führt zu Störungen in diesen beiden zentralen Körpersystemen und beeinflusst damit die Gesundheit des kompletten Organismus. So wird unser Nervensystem heutzutage oft zu stark beansprucht und kann kaum noch regenerieren. Emotionaler Stress, Zeitdruck und Informationsflut erschweren eine gesunde Reizverarbeitung. Störungen im Fasziensystem, etwa Vernarbungen aufgrund von Entzündungen, Verklebungen sowie Funktionseinschränkungen durch Bewegungsmangel, sind nicht zu unterschätzen. Denn das Fasziensystem speichert Bewegungsmuster und bestimmt die Statik und Stellung unseres Körpers im Raum (Propriozeption). Es ist eng mit dem Nervensystem verknüpft und dient als Bindeglied zu allen anderen Organsystemen. Wenn klar ist, dass heute kaum noch jemand seinen Körper so nutzt, wie er von der Natur konzipiert wurde, dann ist auch nachvollziehbar, dass unsere Zeit uns gesundheitlich vor große Probleme stellt. In diesem Zusammenhang darf das Verdauungssystem
nicht vergessen werden. Unser Darm ist ein zentral wichtiges Organ, da er unsere Gesundheit maßgeblich mitbestimmt. Wir sind auf die Zufuhr lebenswichtiger Nährstoffe angewiesen, welche als Bausteine für alle Körperfunktionen benötigt werden. Wird der Darm geschädigt, wie es heute häufig der Fall ist, kommt es bedingt durch Maldigestion und Malresorption zu einer Vielzahl an funktionellen Störungen, mangelnde Regeneration und Immunabwehr inbegriffen. Sämtliche Körpersysteme sind davon betroffen, auch das Nervensystem und das Fasziensystem. Und hier schließt sich der Kreis – im Guten wie im Schlechten.
Was ist eine primäre Läsion, und welche Bedeutung hat sie?
Die primäre Läsion bezeichnet eine Einschränkung, die meistens der Ausgangspunkt (Ursprung) für eine oder mehrere Läsionsketten und Beschwerden ist. Es kann sich hierbei z.B. um ältere Verletzungen (der Bänder, Sehnen, Muskeln), psychische Belastungen, Geburtstraumata, Mikrotraumata, alte Haltungsmuster, Narben etc. handeln. Im Rahmen der Befunderhebung wird nach der primären Läsion gesucht, denn nicht immer benennt der Patient diesen Ursprungsort in der Anamnese. Meist umschreibt er ein komplexes Symptombild. Für eine differenzierte Diagnose werden klinische und osteopathische Tests genutzt. Wurde eine primäre Dysfunktion
festgestellt und behandelt, bessert sich das Beschwerdebild häufig grundsätzlich. Weitere Erscheinungen, die innerhalb der Ursachen-Folge-Kette (sekundäre Läsionskette) entstanden sind, können dann behandelt werden oder lösen sich manchmal sukzessiv sogar von selbst auf. Beispiel einer primären Dysfunktion (mit einer möglichen Läsionskette): Nach einer Blinddarm-OP entstehen im tiefen Gewebe bis zur Oberfläche der Haut Narben. Normalerweise verheilt eine solche Wunde problemlos. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Patient Jahre nach seiner OP mit Rückenschmerzen in die Praxis kommt, die nicht kontinuierlich, aber immer wieder auftreten. Eine vorherige ärztliche Abklärung war ergebnislos geblieben. Die primäre Dysfunktion könnte hier die möglicherweise schlecht verheilte Narbe der
Blinddarm-OP sein. Die Läsionskette wäre entstanden, weil sich der Körper des Patienten unbewusst, durch neurologische Verschaltungen, an einen ständigen leichten Zug nach vorne anpasst. Dies würde für die Rückenmuskulatur dauerhafte (Gegen-)Anspannung bedeuten. Der Patient bekommt Jahre später Schmerzen, und zwar in dem Moment, wenn die Rückenmuskulatur überstrapaziert ist – ein Signal des Körpers dafür, dass eine Struktur beschädigt ist. Der Osteopath behandelt in so
einem Fall zuerst die Blinddarmvernarbung, die dazugehörigen Darmstrukturen und erst dann den Rücken.
Warum hat man oft den Eindruck, dass während einer Behandlung kaum etwas passiert?
Eine osteopathische Behandlung ist so individuell wie der Patient, der in die Praxis kommt. Wie sie letztendlich aussieht, wird durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt: Beschwerdebild, Vorerkrankungen, Alter, psychische Verfassung, Begleitsymptome, Erwartungen und besprochene Ziele bzw. Wünsche sind nur einige
Beispiele. Viele der angewandten osteopathischen Techniken, v.a. in der Craniosacralen Osteopathie, sind sehr fein und sanft. Ein Beobachter kann die minimalen Bewegungen, die der Osteopath ausübt, oftmals nicht direkt erkennen. Viele Patienten spüren sie dennoch und empfinden sie deutlich ausladender als es von außen
erscheint. Es gibt auch Momente, in denen ein Osteopath einfach nur in den Körper hineinhorcht und tatsächlich keine direkten Bewegungen ausübt, sondern „nur“ den natürlichen Rhythmus des Körpers wahrnimmt. Dies dient der optimalen Diagnose und dem Auffinden jener Läsionen im angeschlagenen Körper. Schließlich gibt es in der Osteopathie energetische Methoden, bei denen man sich mit dem Körper des Patienten verbindet und mit biodynamischen Techniken arbeitet. Diese Behandlungsweise ist dem Reiki ähnlich. Die Osteopathie ist somit eine überaus vielseitige Behandlungsmethode, die sanft, manchmal aber auch herausfordernd sein kann. Das Schöne daran: Es gibt immer mehrere Wege zum Ziel, und daher für jeden Behandler und Patienten den richtigen bzw. passenden!
Warum sind Osteopathen auch Heilpraktiker?
Die Osteopathie ist eine Therapieform mit eigener Diagnosemethodik, weshalb sie aus rechtlichen Gründen in Deutschland nur von Ärzten und Heilpraktikern ausgeübt werden darf. In anderen Ländern ist die Osteopathie ein eigenständiger, anerkannter Beruf. Die Qualifikation wird dort durch einen Abschluss an einer Universität erlangt. In Deutschland bringt die Osteopathie keinen eigenen anerkannten Beruf mit sich, sie ist lediglich als Behandlungsmethode definiert. Daher benötigt man in Deutschland die Grundausbildung bzw. Qualifikation als Heilpraktiker mit Heilerlaubnis oder die ärztliche Approbation. Die Osteopathie-Ausbildung wird an privaten Schulen absolviert, wobei es bereits die Möglichkeit gibt, auch in Deutschland in Kooperation mit Universitäten einen international anerkannten Bachelor- und Masterabschluss zu erlangen. Die Zugangsvoraussetzungen zur Erlangung der Heilerlaubnis und der Zugang zur Ausbildung an privaten Schulen setzt kein Abitur voraus, wohingegen dies für das Studium der Osteopathie an einer Universität obligatorisch ist. Die Ausbildung zum Heilpraktiker bietet viele Vorteile, da es jede Menge anderer Behandlungsmethoden aus der Naturheilkunde gibt, die sich sehr effektiv mit der Osteopathie kombinieren lassen. Die allgemeine Heilerlaubnis bietet eine gute Basis, um sein Portfolio zu erweitern sowie gezielt zu ergänzen. Kinesio-Taping, Akupunktur und Akupressur, Neuraltherapie, Achtsamkeitsübungen oder Traumatherapie sind nur wenige Beispiele für eine sinnvolle Verflechtung in einer osteopathisch-naturheilkundlichen Praxis. Wissen zu vernetzen und das Rätsel Mensch auf allen Ebenen auf natürliche Weise zu behandeln, sind einige Eckpfeiler der Osteopathie und ebenso der Naturheilkunde!
Welche Kosten kann man veranschlagen, und wie ist es um die Erstattung bestellt?
Eine osteopathische Behandlung benötigt ein fundiertes und tiefgreifendes Wissen. Die Ausbildung ist lang, intensiv und mit hohen Kosten verbunden, die der Studierende in der Regel privat bezahlen muss. Außerdem ist die Osteopathie keine Methode, die man am Fließband ausüben kann, da sich der Therapeut ganz individuell auf den Patienten einstellen muss. Dies ist ein recht energiezehrender Prozess, der Achtsamkeit erfordert und die tägliche Behandlungszeit beschränkt. Außerdem sind Fortbildungen in diesem Bereich ebenfalls mit hohen Investitionen verbunden, aber zwingend erforderlich. Die Kosten einer osteopathischen Behandlung für Patienten variieren je nach Erfahrungsgrad des Therapeuten und sind außerdem abhängig von der Lage der Praxis. Durchschnittlich kann man mit 80-120 Euro pro Sitzung kalkulieren. Der erste Termin beläuft sich häufig auf einen etwas höheren Betrag, da zunächst eine ausführliche Anamnese erstellt werden muss (100-150 Euro). Es gibt allerdings keine offiziell festgelegten Preise. Bei privat versicherten Patienten kann über die „Gebührenordnung für Heilpraktiker (GebüH)“ abgerechnet werden. Die Erstattung durch eine gesetzliche oder private Krankenkasse ist sehr individuell geregelt und abhängig von deren Satzung und den eigenen Vertragsbestimmungen (bei privaten Versicherungen). Prinzipiell bezuschussen einige gesetzliche Krankenkassen seit Jahren osteopathische Behandlungen in unterschiedlicher Höhe. Eine aktuelle Liste finden Sie auf www.osteokompass.de im Bereich „Patienteninfo“ unter „Krankenkassen“. Dabei ist wichtig zu wissen, dass nur Behandlungen von Therapeuten bezuschusst werden, die z.B. durch den VFO zertifiziert sind und eine vollständige Ausbildung mit mindestens 1.350 Stunden vorweisen können. Die von uns zertifizierten Therapeuten finden Sie auf unserer Verbandsseite www.vfo.de unter „Verband“. Die Kostenübernahme kann durch gesetzliche Krankenkassen jederzeit mit einer Satzungsänderung eingeschränkt werden, sodass sie nicht garantiert ist. Dies sollte der Patient immer im Vorfeld klären und entbindet ihn nicht, für die erbrachten osteopathischen Leistungen aufzukommen.
Was bedeutet in der Osteopathie „ganzheitliche Behandlung“, und warum ist sie sinnvoll für langfristige Gesundheit?
Ganzheitliche Behandlung in der Osteopathie meint das Einbeziehen sämtlicher körperlicher Strukturen (u.a. Knochen, Muskeln, Bindegewebe, Blutgefäße, Nerven, Organe) sowie seelischer und geistiger Anteile, die in ihrer Gesamtheit zum Menschen gehören und über die jedes Individuum definiert wird. Alle Körperregionen werden im Kontext des Symptombilds und darüber hinaus berücksichtigt, z.B. werden bei Beschwerden im unteren Rückenauch Kopfregion und Organsysteme betrachtet, um alle potenziellen Einflussfaktoren zu erfassen. Eine Problematik hat nie nur direkte lokale Auswirkungen, sondern ist immer auch mit unterschiedlichsten Folgeerscheinungen verkettet. Verdreht man sich z.B. beim Sport das Knie, schmerzt zunächst nur das Knie. Dies führt zu einer Schonhaltung, sodass Knie und Bein anders bewegt werden, was sich nicht nur wieder auf das Knie auswirkt, sondern auch auf die Durchblutung im Bein, die Belastung der Hüfte und des anderen Beines. Eine Dysbalance in der Hüfte beeinflusst die Darmmotilität und kann Verdauungsstörungen erzeugen, was eine Aufnahme wichtiger Nährstoffe blockieren und woraufhin ein allgemeines Energiedefizit entstehen kann. Diese Störungen können sich auf die Muskulatur auswirken und zu erheblichen Verspannungen führen, welche die Beweglichkeit einschränken – so nimmt die Läsionskette ihren Lauf. Daher ist es wichtig, eine Problematik immer ganzheitlich zu betrachten und sämtliche Körperregionen und Einflussfaktoren in Diagnose und Therapie einzubeziehen. Auch seelische und geistige Effekte sind untrennbar damit verknüpft, denn körperliche Einschränkungen können die emotionale Verfassung beeinflussen und den Geist prägen. Der Mensch ist ein komplexes Wesen, bestehend aus Körper, Geist und Seele (Hardware, Software und Energie). Diese Ebenen in Balance zu halten, ist essenziell für ein gesundes Leben.
Warum ist der Zusammenhang zwischen Struktur und Funktion so wichtig?
Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk. Seine unzähligen Strukturen sind perfekt aufeinander abgestimmt, und jede wächst und formt sich gemäß ihrem Leistungsanspruch. Sicher gibt es genetische Rahmenbedingungen,dennoch entwickelt sich alles ab dem Moment, wo neues Leben entsteht, bestimmten Anforderungen entsprechend. Nehmen wir z.B. das „Sportlerherz“: Das Herz eines Leistungssportlers ist größer und in der Regel leistungsfähiger als das eines untrainierten Menschen, denn es muss das Blut aufgrund der sportlichen Belastung schnell und kraftvoll in Kreislauf und Muskeln befördern. Mit steigender Trainingsbeanspruchung wächst das Herz und passt sich der Belastung an. Deshalb wird im Fall, dass ein Sportler seinen Leistungspegel senken möchte (etwa am Ende der Karriere), ein „Abtrainieren“ empfohlen, damit sich der Herzmuskel zurückbilden kann.Sollten alle Rahmenbedingungen für einen menschlichen Körper „normal“ sein (ausgenommen sind genetische oder von extern eingebrachte krankheitsbedingte Vorbelastungen, Ernährung, Beanspruchung), wird er sich „normal“ entwickeln und wachsen. Erklären lässt sich das gut z.B. anhand der Folgen einer Über- oder Unterbeanspruchung eines Gelenkes: Das Gelenk ist von einer Kapsel umgeben, die für dessen optimale Versorgung mit Gelenkflüssigkeit verantwortlich ist. Muskeln und Sehnen sorgen für seine Beweglichkeit in verschiedene Richtungen. Damit es bewegt und dadurch Gelenkflüssigkeit hergestellt werden kann, braucht es adäquate Beanspruchung. Knochen und andere Strukturen im Gelenk (z.B. Menisken) wachsen durch die Beanspruchung genau so, dass sie perfekt zu ihrem Gelenkpartner passen. Ist die Beanspruchung inadäquat, z.B. durch zu hohe oder zu wenig Belastung, wirkt sich dies direkt und indirekt auf alle Strukturen aus. Bei zu hoher Belastung nutzen sich Knochen und Strukturen zwischen den Gelenkpartnern sowie Sehnen und Muskeln ab. Es entstehenmikroskopische Risse und Einblutungen, die der Körper mit seinen Selbstheilungskräften zu kompensieren versucht: Andere, nicht direkt an jener Gelenkbeweglichkeit beteiligte Muskeln werden rekrutiert und stärker beansprucht, um das Gelenk funktionsfähig zu erhalten. Knochenzellen wandern ein, um die „Risse“ zu füllen. Das Immunsystem versucht, den Schaden an den Gefäßen zu reparieren, was u.a. mit höherer Durchblutungeinhergeht (Schwellung). Bei zu geringer Belastung nehmen Muskelgröße und -umfang sowie dessen Leistungsfähigkeit ab. Der Knochen, der nur durch Zug und Druckbelastung stabil bleibt, verliert seine Festigkeit. Sehnen, Bänder und Kapseln werden durch schlechtere Durchblutung unflexibel und starr (eingeschränkte Beweglichkeit), denn nur Bewegung erhält die Durchblutung. Diese Ausführungen könnten für viele weitere Strukturen fortgesetzt werden. Das Wissen um die enge Verknüpfung von Struktur und Funktion sollten wir für unsere Gesunderhaltung nutzen. Gute Ernährung, frische Luft, Vermeidung von Giftstoffen, adäquate Beanspruchung und seelisches Gleichgewicht helfen dabei, Harmonie im Körper zu gewährleisten.